INNOVATION NAVIGATOR

Innovationswissen aus der Praxis vom verrocchio Institute und seinen Fellows

Was ist ein Innovation Sprint?

Seit einigen Jahren können wir beobachten, wie im Bereich Innovation und Innovationsmanagement immer mehr Innovation Sprints als spannendes oder wichtiges Arbeitsformat anzutreffen sind. Gleichzeitig greift aber vielerorts auch ein Frust mit diesen Formaten um sich. In diesem Artikel beleuchten wir für Euch einmal ganz verschiedene Blickwinkel auf das Format Innovation Sprint.

Welche Frage zum Innovation Sprint interessiert Dich besonders?

Was sind Innovation Sprints?

Als Innovation Sprint werden häufig äußerst kurze Arbeits- bzw. Projektformate verstanden, die typischerweise 2 bis 5 Tage dauern. In dieser kurzen Zeit werden dann entweder alle Arbeitspakete einer Makromethode (z.B. Design Thinking) durchlaufen, oder aber man nutzt nur die wesentlichen Innovationsprinzipien als Leitplanken für den Sprint. Ziel eines Sprint ist immer am Ende mindestens eine Idee generiert zu haben, die das gestellte Problem löst.

Innovation Sprint Workshop
Foto: Benno van Aerssen – Typische Arbeitssituation in einem Innovation Sprint

Warum gibt es Innovation Sprints?

Es gibt grundsätzlich mehrere Gründe, warum es im Bereich Innovation zu Sprintformaten gekommen ist. Oft untergekommen sind uns bisher Folgende:

  • Aus Zeitmangel für eine größeres Projekt hat man es einfach in wenige Tage komprimiert
  • Um kleinere Herausforderung zu lösen (Produktverbesserungen, Serviceupdates, Facelifts, etc.), für die mehr Ressourcen wertschöpfungstechnischer Unsinn wären
  • Aus dem Irrglauben heraus, dass Innovationen entstehen, wenn ein paar junge verrückte Menschen eine kurze Zeit hochdynamisch und mega agil um den Kunden kreisen
Foto: Benno van Aerssen – Prototyping im Innovation Sprint

Welche Gefahren und Fallen gibt es rund um Sprints?

Rund um Innovation Sprints kann man sowohl Erfolgsgeschichten als auch großen Frust wahrnehmen. Wir vom verrocchio Institute werden auch in den letzten Jahren immer öfter als eine Art Gutachter beauftragt um zu schauen warum alle durchgeführten Sprints nie zu befriedigenden Ergebnissen geführt haben.

Tatsächlich gibt es besonders rund die hochverdichteten Sprintformate viele Gefahren und Fallen in die man tappen kann. Wir haben hier für Euch eine kleine Sammlung häufiger Fehler zusammengestellt:

  • Die Teilnehmer verfügen nicht über das relevante Mindset.
    Ganz besonders bei Sprintformaten, gibt es typischerweise keine große Zeit Mindsetarbeit zu tun und deshalb wirken sich nicht passende Mindsets rasch negativ aus.
  • Die Teilnehmer verfügen über zu wenig Methodenwissen.
    Für Methodenschulungen fehlt auch typischerweise die Zeit in den intensiven Sprintformaten. Zu geringes Methodenwissen führt zu unsauberer Arbeitsweise und fast immer zu zu generischen Ergebnissen, die niemals umgesetzt werden.
  • Die gestellte Herausforderung ist viel zu breit oder zu generisch
    Herausforderungen wie „Denkt Euch mal einen tollen digitalen Service aus der unsere Kunden begeistert.“ sind viel zu generisch und zu breit. Solche Herausforderungen lassen sich schon garnicht in kurzen Innovation Sprints ausreichend bearbeiten. Für Innovation Sprint werden spitze oder scharfe Herausforderungen benötigt wie „Wie müsste unsere Service-App aussehen, damit auch Senioren damit spielend zurechtkommen und begeistert davon erzählen?“
  • Die Räume und das Equipment sind nicht ausreichend
    Besonders bei Innovation oder Design Thinking Sprints kommt es darauf an die Teilnehmer in der kurzen Zeit maximal zu Unterstützen um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu steigern. Ein inspirierender Raum, Arbeitsmaterialien und Prototypingmaterialien müssen immer in ausreichender Menge sofort griffbereit zur Verfügung stehen. Sonst wird kostbare Zeit verschwendet.
  • Es wird nicht wirklich agil, iterativ gearbeitet
    Bei Methoden wie Design Thinking oder Lean StartUp kommt der Erfolgshebel überwiegend aus einer agil, iterativen Arbeitsweise. Man arbeitet in sogenannten iterativen Schleifen (Loops), bzw. nutzt dazu Hilfsmethoden wie „Timeboxing“. In vielen Sprint geht das agil, iterative Element verloren da man die kurze zur Verfügung stehende Zeit zu sehr vorplant. Es entstehen Formate wie:

    Montag – Map („Verstehen“);
    Dienstag – Sketch („Ideen sammeln“);
    Mittwoch – Decide („Entscheidung treffen“);
    Donnerstag – Prototype (Prototype bauen);
    Freitag – Test („Testen mit Feedback von Kunden“)

    Hier muß man sehr achtsam mit dem Format umgehen um nicht durch zu starre Formate in der Ergebnislosigkeit zu enden.

Welche verschiedenen Sprint Formate gibt es?

Grundsätzlich gibt es für den Begriff Sprint keine wirklich supergenaue Definition. Aber wir haben hier einmal Sprintformate aufgelistet die aktuell in vielen Unternehmen häufig vorgkommen:

  • Innovation Sprint
    Der landläufige Begriff für Innovationsprojekte die in kurzen Sprintformaten durchgeführt werden.
  • Design Thinking Sprint
    Dies ist ein Innovation Sprint der speziell mit der Methode Design Thinking durchgeführt wird.
  • Design Sprint
    Einfach eine kurze Bezeichnung für Design Thinking Sprint – im Sinne eines Innovation Sprint der kundenzentriert abläuft.
  • Goggle Design Sprint
    Der Google Design Sprint Prozess ist wurde erstmals im Jahre 2010 durch Google Ventures bekannt und basiert auf dem Ansatz des Design Thinkings, einer Methode, der zum Ansatz und Lösen von neuen Ideen führt. Dieser wird meistens genutzt, wenn noch keine konkrete Idee oder Geschäftsmodell entwickelt worden ist. Design Sprint hingegen beginnt an einem bereits späteren Zeitpunkt. Es hilft dabei Projekte in kürzester Zeit, nämlich in einem definierten 5-tages Prozess zu realisieren.
  • Lern Sprints
    Ein Lern Sprint dient dazu Teilnehmer in einer Methoden wie Design Thinking und deren agil, iteratives Arbeitsformat zu schulen bzw. zu trainieren. Hier steht nicht die generierte Idee im Vordergrund sondern das nachhaltige Lernen über echte Erfahrungen.
  • Assessment Sprints
    Viele Unternehmen nutzen Assessment Sprints dazu um Talente und High Potentials zu identifizieren oder diese weiter zu entwickeln. In einem agilen Innovation Sprint kann man die Teilnehmer gut in verschiedensten Arbeitssituation und dem Teamkontext ganzheitlich beobachten.

Was ist besser: Ein Innovation Sprint oder ein Innovationsprojekt?

Hier ist wohl die richtige Antwort: „It depends.“ – es kommt eben darauf an welches Ziel man erreichen möchte und welche Mittel bzw. Ressourcen einem zur Verfügung stehen. Der größte Fehler, den wir sehr häufig sehen, ist es mit einem kleinen Sprint zu große Herausforderungen anzugehen. Das erzeugt nur Frust bei allen Beteiligten und erzeugt auch sehr oft die so gefährlichen Pseudoinnovationen.

Welche Voraussetzungen braucht ein erfolgreicher Sprint?

Hier können wir, auf Basis unserer mehr als 10jährigen Erfahrung mit internationalen Kunden und Projekten, folgende kleine Checkliste für Euch zur Verfügung stellen:

  • Ein multidisziplinäres, diverses Team mit hoher Motivation und dem richtigen Mindset
  • Einen sehr erfahrenen Innovation Coach
  • Eine spitze und nicht zu breite Herausforderung
  • Teilnehmer mit guten Vorerfahrungen und Methodenwissen im Bereich Ideenfindung und Design Thinking
  • En starkes Mandat und ein stark involvierter Projektsponsor
  • Ein sehr inspirierender Raum mit optimalem Equipment
geschrieben vonBenno van Aerssen